310.1   Kühlmittel-Vorschriften

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Hinweis: Diese Vorschriften gelten für die Marken Mercedes-Benz, Maybach, smart und Setra.

WARNUNG

Aufgaben, die Korrosions-/Frostschutzmittel, Kühlmittel oder Kühlmittelzusätze zu erfüllen haben, sind ebenso wichtig, wie die eines Konstruktionsteils. Produkte und Marken, die nicht in den folgenden BeVo-Blätter erwähnt werden, haben keine MB-Freigabe und können zu erheblichen Einschränkungen der Motorleistung bzw. irreparablen Schäden an der Kühlanlage führen.

1. Verwendete Begriffe

Korrosions-/Frostschutzmittel (KFM):

Bestandteil der Kühlmittel für Verbrennungsmotoren als Korrosions- und Frostschutz, zur Verringerung des Gefrierpunkts sowie zur Erhöhung des Siedepunkts. Kann auch „Konzentrat“ genannt werden. Muss gemäß Kapitel 3.1 mit Wasser verwendet werden.

Kühlmittel, KM:

Gemisch aus Korrosions-/Frostschutzmittel und Wasser zur Kühlung von Motoren. Im Normalfall bestehen Kühlmittel aus Korrosions-/Frostschutzmittel (KFM) und Wasser.

Kühlmittelzusätze:

Korrosionsschutzmittel, das mit Wasser gemischt für Sonderanwendungen eingesetzt werden kann. Das Gemisch besitzt keinen Frostschutz!

MB-Freigabe:

Kennzeichnung der Kühlmittel bzw. Korrosions-/Frostschutzmittel, die von der Daimler AG geprüft und für den entsprechenden Einsatz, siehe Tabelle 1.x und 2, frei gegeben sind. Auf den Gebinden mit geprüften Markenprodukten finden Sie z. B.: MB-Freigabe 325.0 als Hinweis.

2. Übersicht

Die Tabellen 1.1, 1.2 und 2 geben einen Überblick zur Anwendung der frei gegebenen Korrosions-/Frostschutzmittel und den maximalen Wechselintervallen. Diese Kühlmittel weisen erfolgreich die folgenden Eigenschaften auf:
  • Gewährleistung des Wärmetransfers
  • Langzeit Korrosions- und Kavitationsschutz für alle Bauteile der Kühlanlage
  • Gewährleistung des Frostschutzes
  • Erhöhung des Siedepunkts
  • Beständigkeit gegen Mikroorganismen
  • Wirksame Schaumunterdrückung
Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden in der Zuordnung über die Motorbaureihen definiert, siehe Tabelle 1.x und 2.

Die Blattnummern 325.x zeigen die Korrosions-/Frostschutzmittel. Diese müssen vor der Verwendung mit Wasser gemäß Kapitel 3.1 gemischt werden.

Die Blattnummern 326.x zeigen die gebrauchsfertigen Kühlmittel. Diese dürfen nicht mit Wasser gemischt werden.

Brennstoffzellen-Fahrzeuge benötigen für die Kühlung der Brennstoffzelle ein besonderes Kühlmittel. Kühlmittel für Brennstoffzellen-Fahrzeuge dürfen nur in einem F-CELL Stützpunkt nachgefüllt werden.
Tabelle 1.1: Für Pkws und Fahrzeuge mit Pkw-Verbrennungsmotoren außer smart und Mercedes Citan
Blatt-Nr.
Aggregatebaureihe
Bemerkung
Wechselintervall Jahre/km
Was zuerst zutrifft, ist zu beachten.
OM6xx
325.0 bzw. 326.0


Für alle Fahrzeuge mit Herstellungsdatum bis einschließlich April 2014
15/250.000 Ausnahme: Im Wartungshandbuch des Fahrzeugs sind andere Wechselintervalle festgelegt.
325.6 bzw. 326.6


Für alle Fahrzeuge verwendbar
15/250.000 Ausnahme: Im Wartungshandbuch des Fahrzeugs sind andere Wechselintervalle festgelegt.

Tabelle 1.2: Für Pkw-Verbrennungsmotoren smart (BR 453.0/3/4) und Mercedes Citan (BR 415)
Blatt-Nr.
Aggregate-/Fahrzeugbaureihe
Bemerkung
Wechselintervall Jahre/km
Was zuerst zutrifft, ist zu beachten.
325.6 bzw. 326.6
M281 in smart (BR 453.0/3/4)
● Bei Nachfüllmengen kleiner als 10 Vol.-%: darf mit ab Produktionswerk befülltem Kühlmittel (gelb) gemischt werden.
● Bei Nachfüllmengen größer als 10 Vol.-%: darf nicht mit ab Produktionswerk befülltem Kühlmittel (gelb) gemischt werden; Kühlkreislauf entleeren und neu befüllen
6/60.000
OM607 in Mercedes Citan (BR 415)
4/160.000

Tabelle 2: für Fahrzeuge mit Nfz-Motoren
Blatt-Nr.
Aggregatebaureihe ohne Sekundär-Wasser-Retarder (SWR)
Aggregatebaureihe mit Sekundär-Wasser-Retarder (SWR)
WechselintervallJahre
OM300
OM400
OM904 bis 926
OM934, 936
OM457, 460
OM500
OM470 bis 473
311.0








0,5
312.0








1
325.0 bzw. 326.0








3
325.3 bzw. 326.3








5
325.5 bzw. 326.5








3








2

Kühlmittel oder Korrosions-/Frostschutzmittel, die in den Tabellen 1.1, 1.2 und 2 auf unterschiedlichen Blattnummern gelistet sind, dürfen nicht miteinander gemischt werden, da ein erheblich verringerter Korrosionsschutz bzw. die Unverträglichkeit mit der Kühlanlage zu irreparablen Schädigen führen kann.

3. Kühlmittel

Die Kühlmittel und Korrosions-/Frostschutzmittel basieren auf Ethylenglykol als Frostschutzkomponente, unterscheiden sich aber bei den weiteren Inhaltsstoffen, z. B. für den Korrosionsschutz, siehe Tabelle 3.
Tabelle 3: BeVo-Blattnummer und Kühlmitteltyp
KühlmittelBlatt-Nr.
Korrosions-/Frostschutzmittel Blatt-Nr.
Inhibitoren
Frei von
anorganische
organische
326.0
325.0
Si, B
X
Nitrit, Amin, Phosphat
326.3
325.3

X
Nitrit, Amin, Phosphat, Borat, Silikat
326.5
325.5
Si
X
Nitrit, Amin, Phosphat, Borat, 2-Ethylhexansäure
326.6
325.6
Si
X
Nitrit, Amin, Phosphat, Borat, 2-Ethylhexansäure

3.1. Mischungsverhältnis

Alle Kühlmittel aus den Blättern 326.x sind gebrauchsfertige Mischungen. Diese müssen nicht mit zusätzlichem Wasser gemischt werden.

Im Gegensatz dazu müssen alle Korrosions-/Frostschutzmittel aus den Blättern 325.x mit ca. 50 Vol.-% Wasser eingesetzt werden, was einem Frostschutz bis -37 °C entspricht. Die Wasserqualität muss den Anforderungen im folgenden Kapitel genügen.

Auch bei extrem niedrigen Umgebungstemperaturen sind nicht mehr als 55 Vol.-% Korrosions-/Frostschutzmittel zu verwenden. Mit 55 Vol.-% Korrosions-/Frostschutzmittel ist der maximale Frostschutz, ca. –45 °C einer wässrigen Ethylenglykollösung, erreicht. Ein höherer KFM-Anteil verringert den Frostschutz und die Wärmeabfuhr im Motor, was zu endgültigen Schäden führen kann.
Tabelle 4: Zielkonzentration von Korrosions-/Frostschutzmittel und Wasser
Blatt-Nr.
Mischungsverhältnis
Konzentrat Vol.-%
Wasser Vol.-%
325.0
50
50
325.3
50
50
325.5
50
50
325.6
50
50
311.0
1
99
312.0
10
90

In Sonderfällen (Nfz-Motoren, keine Gefrierschutzanforderung) können Kühlmittelzusätze verwendet werden, die im Wesentlichen Korrosionsschutzzusätze sind.

4. Wasserqualität

Zur Aufbereitung des Kühlmittels soll sauberes, möglichst weiches Wasser verwendet werden. Häufig erfüllt Trinkwasser die gewünschten Anforderungen. Auskünfte über Wasserqualitäten von Trinkwasser teilen die örtlichen Wasserwerke bzw. zuständigen Wasserversorgungsunternehmen auf Anfrage mit.

Steht keine Information über die Wasserqualität oder kein geeignetes Wasser zur Verfügung, so ist destilliertes oder vollentsalztes Wasser zum Ansetzen des Kühlmittels zu verwenden. Nicht geeignet sind Meerwasser, Brackwasser, Solen und Industrieabwasser. Salze können die Korrosion begünstigen oder störende Ablagerungen bilden.

Die Analysenwerte des Wassers zum Anmischen von Kühlmitteln müssen in den Grenzen von Tabelle 5 liegen.
Tabelle 5: Wasserqualität
Wasserqualität
min
max
Erdalkaliionen
mmol/l

2,7
Härte
°dH

15
Chlorid
mg/l

80
Chlorid + Sulfat
mg/l

160
pH-Wert
-
6,5
8,0

1°dH = 0,1783 mmol/l Erdalkaliionen = 7,147 mg/l Ca2+ oder 4,336 mg/l Mg2+

Bei der Verwendung von vorgemischtem Kühlmittel ist neben der MB-Freigabe auf die Einhaltung der Konzentration (50/50) zu achten.

4.1. Kühlmittelzusätze für Nfz-Motoren ohne Gefrierschutzanforderung

In ganzjährig frostfreien Klimazonen ist zwar kein Frostschutz erforderlich, da die Kühlanlagen auf Kühlmittel nach Blatt 325.x und 326.x abgestimmt sind. Es sollte nur in begründeten Ausnahmefällen eine wässrige Lösung mit Korrosionsschutz genutzt werden. Die Anwendung von Korrosionsschutzmitteln in Wasser sind auf die in Tabelle 2 genannten Motoren begrenzt. Die Anwendung von Korrosionsschutzöl-Emulsion nach Blatt 311.0 ist thermisch begrenzt. Die Emulsion darf daher nicht in effizienten, modernen Motoren genutzt werden.

Mischungen von verschiedenen Produkten gemäß Blatt 311.0 und 312.0 sind nicht zugelassen.

Bei der Herstellung der Korrosionsschutzöl-Emulsion nach Blatt 311.0 ist zu beachten:

Für die Neubefüllung (Erstbefüllung oder Befüllung nach einer Reinigung) muss eine Emulsion von 1,0 - 1,5 Vol.-% angesetzt werden. Für das Nachfüllen ist eine Emulsion von 0,5 - 1,0 Vol.-% zu verwenden. Zu hohe Konzentrationen (> 1,5 Vol.-%) erhöhen den Korrosionsschutz nicht, wirken sich aber auf Dichtungen und Schläuche nachteilig aus.

5. Betriebsüberwachung des Kühlmittels

Im Betrieb werden die Korrosionsinhibitoren des Kühlmittels verbraucht und evtl. das Mischungsverhältnis durch Verdampfen von Wasser verändert. Daher ist die regelmäßige Überwachung des Kühlmittels für einen störungsfreien Motorbetrieb wichtig.

Die Kontrolle des Mischungsverhältnisses ist mit geeigneten Geräten durchzuführen. Dazu kann nach Bild 1 die Dichte oder nach Bild 2 der Brechungsindex zur Bestimmung verwendet werden. Die Angaben zum Mischungsverhältnis können für einzelne Kühlmittel geringfügig von den Werten in den Bildern 1 und 2 abweichen.
P00.40-2032-01_MULTILANGUAGE_gif.gifP00.40-2032-01
Bild 1: Dichte von KFM-/Wassermischungen
P00.40-2033-01_MULTILANGUAGE_gif.gifP00.40-2033-01
Bild 2: Brechungsindex von KFM-/Wassermischungen


Sollten nur 45 Vol.-% oder mehr als 55 Vol.-% Korrosions-/Frostschutzmittel im Kühlmittel sein, so muss das Mischungsverhältnis sofort korrigiert werden. Zur Berechnung der Nachfüllmenge kann die folgende Rechenhilfe verwendet werden:

Berechnung der nachzufüllenden Kühlmittelmenge bei Unterkonzentration (Soll: 50 Vol.-%)

  • Kühlmittelinhalt (gesamt) in Liter
  • gemessene Konzentration in Vol.-%
Berechnungsformel:
  • (50 - gemessene Konzentration) * Kühlmittelinhalt / (100 - gemessene Konzentration) = Nachfüllmenge Korrosions-/Frostschutzmittel
Berechnungsbeispiel:
  • Kühlmittelinhalt (gesamt) = 8 Liter
  • gemessene Konzentration = 36 Vol.-%
  • (50 % - 36 %) * 8 l / (100 % - 36 %) = 1,75 Liter
Diese berechnete Menge ist normalerweise vorher abzulassen
Tabelle Kälteschutz/Konzentration (ca.)
°C
–9
–12
–16
–20
–25
–32
–37
Vol.-%
20
25
30
35
40
45
50

6. Entsorgung von Kühlmitteln

Bei den Kühlmitteln handelt es sich um biologisch abbaubare Stoffe. Die gesetzlichen Regelungen bzw. Abwasserverordnungen in den einzelnen Ländern sind bei der Entsorgung von gebrauchten Kühlmitteln zu beachten. Es wird empfohlen, die Entsorgungsmöglichkeiten mit den zuständigen örtlichen Wasseraufsichtsbehörden zu klären.