261.0   Allgemeines Schmierfette

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Allgemeines



Schmierfette sind kolloidale Suspension, die aus einem Verdickungsmittel in einem flüssigen Schmierstoff (Mineralöle, Synthetiköl) bestehen. Zur Verbesserung bestimmter Eigenschaften werden den Schmierfetten Zusätze (Additive) verschiedener Art beigemischt. Zu diesen Wirkstoffen gehören:

Oxidations- und Korrosionsinhibitoren, Haftverbesserer, Verschleißschutz- und Hochdruckzusätze (EP-Zusätze), Reibwertveränderer (Grafit, Molybdändisulfid etc.).

Die richtige Kombination von Grundölen, Verdickungsmitteln und Art der Additive zur Erzielung bestimmter Schmierfetteigenschaften erfordern umfangreiche Entwicklungsarbeiten.

Schmierfette sollen Reibung und Verschleiß verringern, Korrosion verhindern, Schmierstellen abdichten und gegenüber den auftretenden Betriebstemperaturen beständig sein. Bei der Auswahl geeigneter Schmierfette sind neben den Betriebsbedingungen, Umgebungseinflüssen, Schmierabständen etc. insbesondere auch die Gebrauchseigenschaften der Fette zu berücksichtigen.

Über die Zusammensetzung und die Einsatzmöglichkeiten der Schmierfette geben die chemisch-physikalischen Analysewerte Aufschluss. Die wichtigsten Kennwerte sind:

Konsistenz (Verformbarkeit der Schmierstoffe), Walkbeständigkeit, thermische Belastbarkeit, Tropfpunkt, Temperatur-Einsatzbereiche (höchste und tiefste zulässige Einsatztemperatur), Korrosionsschutzeigenschaften, Oxydations- und Alterungsbeständigkeit, Druckaufnahmevermögen, Verschleißschutzeigenschaften, Wasserbeständigkeit, Mischbarkeit, Verträglichkeit mit Dichtungsmaterial

Hersteller und Verbraucher bezeichnen die Schmierfette nach unterschiedlichen Gesichtspunkten. So ist es üblich, dass die Fette von den Verbrauchern nach dem praktischen Einsatz eingestuft und bezeichnet werden, wie z. B. Wälzlagerfette, Schmierfette, Wasserpumpenfette etc.
Von den Herstellern werden andererseits die Schmierfette nach dem verwendeten Verdickungsmittel eingeteilt. Diese Produktbezeichnungen, wie z. B. Calciumseifenfette, Natriumseifenfette, Lithiumseifenfette, haben den Vorteil, dass die Art der verwendeten Seife, die im Wesentlichen den Charakter des Fettes und die Einsatzgrenzen bestimmt, erkennbar ist.

Die Schmierfette sind nach ihrer Walkpenetration in NLGl-Konsistenzklassen (Penetrationsstufen) eingeteilt.

Bei der Walkpenetration wird nach einem genau definierten Knetprozess (Scherbeanspruchung) die Penetration gemessen. Je höher der Walkpenetrationswert ist, desto niedriger ist die NLGI-Konsistenz-Nummer, und um so weicher ist das Fett.



Der Zusammenhang zwischen Konsistenz und Penetration geht auch aus der unten stehenden Tabelle hervor.
Zusammenhang zwischen Konsistenz und Penetration
NLGl-Klasse
Walkpenetration (0,1 mm)
000
445–475
00
400–430
0
355–385
1
310–340
2
265–295
3
220–250
4
175–205
5
130–160
6
85–115



Für die Verwendung in Mercedes-Benz Fahrzeugen sind folgende Schmierfette frei gegeben:
  1. Fließfette, Blatt 264.0 (Lithium-12-OH-stearat-Fette), NLGl-Klasse 00/000

    Die Fließfette für Zentralschmieranlagen sind halb fließende Schmierfette mit guten Korrosionsschutzeigenschaften.

    Fließfette müssen ein gutes Förder- und Entspannungsverhalten besitzen und im Temperatur-Einsatzbereich gute Fließeigenschaften aufweisen. Anwendungsbereich ca. -30 ℃ bis +120 ℃.

  2. Hochtemperatur-Wälzlagerfette, Blatt 265.1, (Li-Komplexseifenfette), NLGI-Klasse 2

    Diese speziell auf die höheren Anforderungen der PKW-Vorderradlager zugeschnittenen Fette weisen einen hohen Tropfpunkt und ausgezeichnete Walkstabilität auf. Sie sind daher für den Dauereinsatz von -30 ℃ bis +170 ℃ geeignet und haben sich nach langjährigen Praxistests für die Lebensdauerschmierung der PKW-Vorderradlager bewährt.

  3. Schmierfette, Blatt 266.0 (Calciumseifenfette), NLGI-Klasse 1

    Diese Fette sind wasserbeständig und Wasser abweisend. Schmierfett können NFZ-Fahrgestell-Bauteile bei Temperaturen von ca. -30 ℃ bis +70 ℃ zufrieden stellend schmieren. Während der Gebrauchszeit dürfen die Fette nicht oxidieren oder sich in der Konsistenz unzulässig ändern.

  4. Langzeitschmierfette, Blatt 266.2, NLGI-Klasse 2

    Schmierfette auf Lithiumseifenbasis mit Zusatz von Molybdändisulfid (MoS2). Anwendungsbereich ca. -25 ℃ bis +110 ℃, kurzzeitig bis +130 ℃.

    Für Schmierstellen, die aufgrund der Konstruktions- und Betriebsbedingungen erhöhte Anforderungen an die Hochdruck- und Langzeitschmiereigenschaften der Fette stellen.

  5. Mehrzweckfette, Blatt 267.0 (Lithiumseifenfette), NLGl-Klasse 2

    Mehrzweckfette sind bei alIen Schmierstellen zu verwenden, bei denen keine bestimmten Spezialfette vorgeschrieben sind. Anwendungsbereich ca. -30 ℃ bis + 130 ℃. Lithiumseifenfette vereinigen die Vorzüge von Calcium- und Natriumseifenfetten. Sie besitzen gute Gesamteigenschaften, höheren Tropfpunkt, gute Wasser- und Oxidationsbeständigkeit, ausreichende Korrosionsschutzeigenschaften, hohe Walkstabilität und sind deshalb für eine längere Gebrauchsdauer geeignet.

  6. Radlagerfette, Blatt 267.1, NGLI-Klasse 2 für den speziellen Einsatzfall bei Radlagern im Service

  7. Komplexfette, Blatt 269.1 (Calcium-Komplex-Seifenfette), NLGI-Klasse 2

    Das für die Mittellagerung am Federsattel von Doppelachsaggregaten mit Ritzelachsen vorgeschriebene Komplexfett zeichnet sich durch eine hohe Walkstabilität, gute Wasserbeständigkeit und Druckaufnahmefähigkeit und entsprechende Korrosionsschutzeigenschaften aus. Anwendungsbereich ca. -10 ℃ bis +90 ℃.

  8. Gleitpaste, Blatt 269.2

    Für die Schmierung der Gleitbacken am Schiebedach