127.0   Kraftstoffe für Erdgas-Ottomotoren

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Erdgasmotoren sind Motoren, die wie Benzinmotoren mit einer Fremdzündung ausgestattet sind und als Kraftstoff natürlich vorkommendes Erdgas verwenden. Erdgas enthält außer dem Hauptbestandteil Methan weitere Stoffe als Nebenbestandteile und/oder Verunreinigungen, welche seine Eignung als Kraftstoff entscheidend beeinflussen.

Anforderungen, Eigenschaften, Kennwerte

Klopffestigkeit

Das Maß für die Klopffestigkeit ist die Methanzahl, die man durch Vergleich mit definierten Mischungen mit bekannter Methanzahl bestimmt. In der Praxis wird die Methanzahl jedoch meist aus der Zusammensetzung berechnet.

Die Klopffestigkeit von handelsüblichen Erdgasqualitäten liegt bei entsprechender Zusammensetzung deutlich über der vergleichbarer Benzinqualitäten. Dennoch sind möglichst hohe Methanzahlen anzustreben, um nicht Kraftstoffverbrauchsnachteile in Kauf nehmen zu müssen. Die Automobilindustrie fordert min. 75 als angemessenen Wert.

Schwefelgehalt

Der Schwefelgehalt im Erdgas sollte so gering wie möglich sein. Es gelten die gleichen technischen Grundlagen wie beim Ottokraftstoff, s. Bl. 126.0 "Schwefel in Ottokraftstoff".

Reinheit

Feste Fremdstoffe und Wasser können zu Störungen in der Kraftstoffversorgung führen. Wasser kann darüber hinaus Korrosionsvorgänge auslösen; die Korrosionsprodukte können wiederum die Kraftstoffversorgung stören. Daher ist bei einer gut geführten Tankstelle ein Trocknungsvorgang dem Tanken vorgeschaltet. Auch Kompressorenöl kann Störungen verursachen, wenn es sich in größeren Mengen in den Kraftstoff-Einblasedüsen ansammelt.

Normung, Qualitätsbezeichnungen



Die o.g. Parameter sind bei weitem noch nicht vollständig, die Normung von Erdgas für motorische Zwecke wird zurzeit erarbeitet. Hierbei wird auf allgemeinen Gasnormen aufgesetzt, z. B. dem DVGW-Arbeitsblatt G 260 ("DVGW" = Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.) und entsprechende Modifizierungen und Ergänzungen eingearbeitet, die für den Betrieb im Kraftfahrzeug relevant sind. Eine Änderung der DIN 51624 "Kraftstoffe für Kraftfahrzeuge ---Erdgas---Anforderungen und Prüfverfahren" ist in Arbeit.

Im Rahmen dieser Qualitätsbeschreibung existieren die Begriffe des L- und H-Gases, wobei H-Gas ein energiereicheres und L-Gas ein energieärmeres Gas beschreibt. Beide Gase sind für einen Betrieb mit MB-Motoren grundsätzlich geeignet. Im Ausland mögen andere Gasqualitäten verfügbar sein, Grundvoraussetzung ist, dass mindestens 80 Vol.-% Methan im Erdgas vorhanden sind, damit ein ausreichender Heizwert zur Verfügung steht..
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An der Zapfsäulen sind diese Gase wie folgt gekennzeichnet:

∅ = 85 mm bis 100 mm

∅ = 85 mm bis 100 mm

Additive

Erdgas ist üblicherweise geruchlos. Aus Sicherheitsgründen wird dem Gas daher ein Geruchstoff (Odorierungsmittel) zugemischt. Dieses sollte vorzugsweise schwefelfrei sein